Unser Tag startet mit einem netten Frühstück, bei der uns die Wirtin Gesellschaft leistet und uns aus dem Leben in Creuzburg erzählt – von der fast kompletten Zerstörung durch die Alliierten 1945 bis zum ersten Besuch im westlichen Nachbarort 1990, an den sie nach einer gemeinsamen Feier eingeladen wurden.

Wir überqueren die ehemalige Grenze heute mehrfach, die noch durch den Kolonenweg sichtbar ist, der die Grenzanlagen früher auf östlicher Seite erreichbar machte.
Die Betonplatten des Weges ziehen sich mahnend durch die Landschaft und markieren heute mit dem Grünen Band ein einzigartes Biotop. Wir sehen unzählige Schmetterlinge in allen Farben, die jetzt so friedlich und bunt herumfliegen, an einem Ort, an dem früher die Welt geteilt war.


Am Vormittag trotzen wir mit unseren gestern erworbenen Pilgerschirmen diversen Regenschauer und kommen damit erstaunlich trocken voran. Immer wieder bleiben wir an vollbehangenen Kischbäumen stehen, die uns dem Weg versüßen. Zur Mittagspause haben sich die Wolken schließlich komplett verzogen, sodass wir nochmal kräftig Sonne tanken dürfen.

Gegen Nachmittag spüren ich langsam, dass wir nun doch schon einige Kilometer unterwegs sind. Ein erster Schmerzpunkt im Fuß macht sich bemerkbar und die Beine bekommen nach jeder Pause zunehmend Startschwierigkeiten. Das Wahrnehmen der körperlichen Grenzen, die heute klar bei der Etappenlänge von 20 Kilometern liegen, ist aber auch immer wieder ein besonderes Zu-sich-kommen.

Bei unserer Ankunft in Röhrda besuchen wir zunächst die Kirche, eine Pilger- und Radwegkriche, von denen wir schon an einigen vorbei gekommen sind. Beim Pilgern in Italien standen wir oft vor verschlossenen Kirchentüren, umso schöner, dass hier so viele geöffnet sind. Wir haben in einigen von ihnen eine kurze Pause eingelegt, einen Moment der Ruhe und Stille genossen, in allem unterwegs sein einen Raum haben zum sich aufgehoben Fühlen.

In Röhrda liegen neben dem Stempel für den Pilgerpass auch Wasser, Apfelschorle und Schokolade bereit. Es heißt ja manchmal, die Kirche gehe an den Bedürfnissen der Menschen vorbei – hier hat sie meine genau getroffen. Wir liegen schließlich eine kurze Weile auf dem Rasen vor der Kirche, trinken eine Apfelschorle und ich bin einfach nur dankbar hier zu sein, gemeinsam unterwegs zu sein.

Schreibe einen Kommentar