Beim Studium des Wetterberichts für diese Woche hatte ich leider eine metereologische Realität verkannt – auch wenn der Frühling sich den Tag über von seiner besten Seite zeigt, legt er morgens durchaus einen Kaltstart hin. So brechen wir heute bei wenigen Grad über Null auf – die Morgenluft ist aber wunderbar frisch und klar und macht viel Lust auf mehr.
Es ist nicht weit bis Alsfeld, wo wir erstmal eine gemütliche Frühstückspause einlegen und ich mich mit Brötchen für das Mittagessen ausstatte. Der Kaffee erzielt leider erstmal nicht seine erhoffte Wirkung, vor allem habe ich das Gefühl, heute nur mit Pudding in den Beinen unterwegs zu sein.
Für den Mittag steht uns noch ein längerer, steiler Anstieg zur Burg Herzberg bevor, zudem ist die Etappe mit knapp 70 Kilometern heute relativ lang. Ich setze mich daher für einen weiteren Kaffeestopp in Grebenau ein, der mich zum einen aufweckt, den Pudding vergessen macht und die Akkus nochmal für den Herzberg auflädt.
Es gibt einige Unterschiede, zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs zu sein. Das Rad scheint mir deutlich weniger problematische Körperteile zu beanspruchen, zumal ich glaube, dass meine Füße überproportional klein geraten sind. Auf dem Rad fühlen sich aber auch Steigung und Gefälle extremer an – bergauf wird es schnell sehr anstrengend, während ich mich bergab immer wieder über die Erfindung des Rades freuen kann.
Was ich heute sehr bewusst wahrnehme – auf dem Fahrrad geht mein Kopf aus. Ich fühle mich ganz. Ich beobachte mich nicht, sondern genieße, wie die Welt um mich herum an mir vorbei zieht. Ich bin im Moment, ich bin auf dem Weg – immer auch ein Stück zu mir.
In Niederaula finden wir heute die erste geöffnete Kirchentür und nutzen sie für eine kurze Pause vor dem Endspurt über die Berge nach Bad Hersfeld. Diese Gegend hier ist reich besetzt mit Erinnerungen – an meine Großeltern, an mein FÖJ, an die Wochen in der Reha. Und ich bin sehr dankbar, dieser langen Geschichte immer wieder ein neues Kapitel hinzufügen zu dürfen – immer wieder im Werden, so wie die Knospen, die mich von Wegrand aus daran erinnern, dass Schöpfung in jedem Moment neu passiert.








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