Nachdem wir gestern extrem gemütlich in den Tag gestartet sind, geht es heute etwas früher los, da wir an unsere letzte Etappe auf diesem Weg direkt noch ein Bahnabenteuer in die Heimat anschließen möchten. Es gibt aber erstmal ein fantastisches Frühstück im gemütlichen Hotel. Dann starten wir bei kühlem Gegenwind auf die letzten 33 Kilometer.
Direkt im nächsten Dorf (Untersuhl) legen wir den ersten Stopp ein, denn hier befindet sich eine kleine, aber architektonisch außergewöhnliche Kirche, die auf einem kreisrunden Grundriss erbaut ist und eher an einen riesigen Burgturm als an eine Kirche erinnert. Im Inneren finden sich zwei übereinander liegende Emporen, die wie die Ränge eines Theaters anmuten – inklusive Balkon.
Zunächst hielt ich es für eine sehr subjektive Assoziation (ich halte ja grundsätzlich Kirchen und Theater für Orte spiritueller Erfahrungen), doch auch eine kleine Schautafel sprach über den Gottesdienst als „rituelles Drama“ und gab mir einen Gedanken über Rituale mit: sie gliedern die Zeit, sie begleiten biografische und historische Prozesse. Sie geben Menschen Orientierung in Raum und Zeit. Sie setzen Wegmarken und unterbrechen den Alltag. Kirchen geben diesem menschlichen Bedürfnis einen Raum. Vielleicht sind sie uns auf unseren Pilgerwegen auch deshalb immer wieder ein willkommener Anlaufpunkt.
Der Fahrradweg verläuft überwiegend flach an der Werra entlang und stößt schließlich kurz vor Eisenach auf den Elisabethpfad, den wir letzten Sommer gelaufen sind. Ich entdeckte direkt noch einen meiner Pilgersticker. Ab hier heißt der „Lutherweg 1512“ dann nur noch „Lutherweg“ – unser Pilgerführer spricht an manchen Stellen die „lange Tradition des Föderalismus“ an, wenn es um Kuriositäten in der Wegführung geht.

In Eisenach angekommen besuchen wir zunächst die Georgenkirche, in der Luther gepredigt haben soll, in der aber vor allem auch Johann Sebastian Bach getauft wurde.
Unser letzter Besuch auf der Wartburg liegt noch nicht ganz so lange zurück, deshalb nutzen wir die knappe Zeit, um das Museum im Lutherhaus zu erkunden. Ich bin ein wenig fasziniert von den fast 500 Jahre alten Bibeln in der Ausstellung, am eindruckvollsten ein Exemplar mit vier Spalten für vier parallele Übersetzungen (griechisches Original, lateinische Vulgata, geupdatetes Latein, Deutsch). Aber auch die Playmobil-Reliquie ist im Glaskasten gut in Szene gesetzt. Ich fotografiere sie mehrfach in unterschiedlichen Größen und muss immer ein wenig in mich hinein grinsen.
Nachdem die Bahn uns und unsere Fahrräder erstaunlich pünktlich nach Marburg gebracht hat, geht es im Sonnenuntergang auf den letzten Abschnitt unserer Reise – durch den Ebsdorfer Grund zurück ins Lumdatal.












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