In unserer Unterkunft habe ich heute Nacht gut geschlafen, auch wenn ich mich mit der Wirtin nicht wirklich wohl fühlte. Vermutlich starte ich deshalb auch mit Allergie in den Tag. Die verfliegt aber relativ schnell, nachdem wir uns auf den Weg gemacht haben, denn es fängt wie prognostiziert an zu regnen. Wir laufen mit unseren Regenschirmen einen Fahrradweg entlang und sind ganz froh, dass wir uns für diese Art des Regenschutzes entschieden haben.

Mich erwischt ein kurzer Schock-Moment, als plötzlich die Bauchschnalle meines Rucksack platzt (ein etwas niederschmetterndes Gefühl) und gebrochen ist. Es ist ein Bauteil, ohne dass ich den Rucksack keinen Kilometer weit tragen kann. Zum Glück habe ich noch einen Streifen Panzertape dabei, die Allzweckwaffe gegen Blasen und technische Defekte, mit der ich die Schnalle erstmal reparieren kann. Ich hoffe, Sie hält bis zum Ende durch.
Wir studieren in regelmäßigen Abständen die Wetter- und Wanderkarten und marschieren erstmal bis Hoheneiche durch, am Ende sogar mit etwas Sonnenschein. Dort stellen wir fest, dass Jakob und Elisabeth heute eigentlich getrennte Wege gehen und wir aus Versehen auf dem Jakobsweg gelaufen sind. Für den festen Untergrund waren wir aber sehr dankbar, denn Elisabeth mag eher das Gelände, und so laufen wir von da an durch den Wald und vor allem: mal wieder ordentlich bergauf. Ich hatte die Berge ja schon ein bisschen vermisst und freue mich drüber, dass ausreichend Kraft für den Anstieg in den Beinen ist.

Zudem schützt der Wald uns auch immer wieder vor den Teils kräftigen Schauern. Schirm und Jacke halten, mit der Zeit vergeht die Regenlust aber deutlich. Abwechslung hingegen bieten die tolle Wegführung durch die Tiefen des hessischen Berglands und riesige Himbeerhecken am Wegesrand, die immer wieder zu einem kleinen Snack einladen.

Eine richtige Mittagspause machen wir tatsächlich erst nach 17 Kilometern, nach denen ich aber auch ziemlich platt bin – unter anderem wegen eines knackigen Aufstiegs zum Alpstein. Ich esse dann erstmals meinen Vorrat an frischem Essen komplett leer. Es ist sind meine zwei Pilger-Ticks: ich habe immer mehr Essen und Klopapier dabei, als ich auf der Etappe wirklich brauche. Man weiß ja nie.

Heute haben wir nochmal drei Kilometer mehr auf dem Plan als gestern und die sind am Ende auch nochmal ziemlich herausfordernd. Wir kommen aber schließlich gut und müde in Waldkappel an. Die hiesige Kirchengemeinde bietet eine Unterkunft für Pilger an und wir freuen uns riesig, in einem Zimmer mit Matratzen im Gemeindehaus zu übernachten. In der kleinen Küche kommt auch endlich mein Cappuccino-Pulver zum Einsatz, das ich für solche Fälle dabei habe. Zwar gibt es keine Dusche, aber wir bekommen uns und unsere Schuhe trotzdem sauber. Dafür gibt es den krassesten Pilgerpreis, den wir jemals irgendwo gezahlt haben – 5 Euro pro Person. Mehr Komfort braucht es heute nicht.

Nach einer sehr leckeren Pizza in der Eisdiele des Orts geht ein anstrengender, aber sehr schöner Tag mit viel Regenrauschen im Ohr zu Ende.
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