Als wir entschieden haben, dass wir dieses Jahr in Deutschland pilgern würden, war klar, dass uns diese Reise nach Eisenach bringen würde, wir wussten nur noch nicht, ob als Start- oder Zielpunkt. Zur Auswahl standen der Lutherweg und der Elisabethpfad – Martin oder Lisbeth. Wir haben uns schließlich für die Lady entschieden. So oder so war klar: Pilgern auf deutsch, durch protestantisches Kerngebiet. Beim Gedanken an die thüringische und osthessische Volksfrömmigkeit wird einem zwar nicht direkt warm ums Herz, aber: Pilgern ist: sich überraschen lassen. Vielleicht können wir hier ja mal abseits der Hotels und Pensionen auf einfache Art unterkommen.

Elisabeth Mosaik auf der Wartburg

Wir haben den Pilgerführer durchgearbeitet und alle dort gelisteten Gemeinden angeschrieben und nach einer Unterkunft gefragt. Ein paar haben uns tatsächlich etwas angeboten. Für Eisenach stand das Diakonissenhaus auf dem Plan, das uns leider eine Absage erteilte, da sie sonntags nicht geöffnet haben. Google spuckte als weitere Pilgerunterkunft die katholische Kirchengemeinde aus, mit einer herzlichen Einladung auf der Homepage.

Der Anruf bei einer Gemeindemitarbeiterin war dann allerdings etwas ernüchternd. Sie betonte mehrfach, dass die Pilgerwohnung wirklich sehr einfach sei. Da uns das aber nicht störte, nahm sie unsere Daten auf und fragte, ob wir denn auch katholisch seien. Wir verneinten, Protestanten. Das müsse sie dann aber erstmal mit dem Pfarrer abklären. Und warum wir denn dann nicht zu den Diakonissen gingen. Weil die sonntags nicht arbeiten. Sie arbeiteten da aber auch nicht. Ob das ginge, müsse sie klären.

Und ob es ging. Die Mitarbeiterin war nach dem Gespräch mit dem Pfarrer wie ausgewechselt und sagte, wir seien herzlich willkommen.

Mit viel Vorfreude auf die kuriose Pilgerwohnung und einen schönen Weg ohne herausforderndes Terrain machen wir uns heute schließlich auf den Weg nach Eisenach. Der Pfarrer heißt uns tatsächlich sehr herzlich willkommen und führt uns in ein winzig kleines, frisch renoviertes Apartment mit Balkon, wo wir alles finden, was wir brauchen.

Am Nachmittag steigen wir zur Wartburg hinauf, an der sich der Jakobsweg, der Luther– und der Elisabethpfad treffen. Elisabeth hat im 13. Jahrhundert hier gelebt und gewirkt, bevor sie nach dem Tod ihres Mannes und ihrer Weigerung, den nächsten Mann in seiner Familie zu heiraten, an den äußersten Zipfel des Fürstentums, nach Marburg, verbannt wurde. Auf der Wartburg ist ihr Leben in einem riesigen Mosaik dargestellt, eine gute Einstimmung auf die nächsten Tage.

Der Blick in die Lutherstube darf natürlich auch nicht fehlen.

Am Abend bietet uns der Pfarrer an, uns in den Abendgottesdient in einem der Orte im Umland mitzunehmen. Pilgern ist auch: Einladungen annehmen, also gehen wir mit in die Messe. Eine gute Entscheidung, wir nehmen einen Impuls für den Weg mit und freuen uns über eine sehr nette Begegnung. Und ich bin sehr gespannt, auf welche Wege, Gedanken und Emotionen ich auf den kommenden 10 Etappen eingeladen werde.

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