| Start | Ziel | km |
|---|---|---|
| Labruge | Povoa de Varzim | 17 |
Der nächtliche Regenerationfähigkeitstest ist durchschnittlich ausgefallen. Grundlegende Geh-Fähigkeiten waren heute morgen wieder hergestellt, allerdings machen meine Oberschenkel recht zuverlässig auf ihre gestern überschrittene Belastungsgrenze aufmerksam. Zum Glück steht heute eine sehr kurze Etappe an, nach ca. 15 km sollten wir bereits am Ziel sein.

Die Wettervorhersage ist für heute unspektakulär, leicht bedeckt bei 18 Grad. Die letzten zwei Tage deute sich an, dass sich dahinter wohl ein anderes Realwetter verbirgt, als der Mittelhesse vermuten würde. Nach einer halben Stunde laufen hatte ich mich bereits auf mein Minimaldress ausgezogen, kurze Hosen und T-Shirt, um dem Wärmestau an Armen und Beinen Luft zu machen.

Ich genieße das warme Wetter außerordentlich, allerdings landet alle überschüssige Kleidung natürlich dort, wo sich bereits das Regenoutfit befindet, welches auf seinen Einsatz Mitte der Woche wartet – in meinem Rucksack. Dessen Gewicht könnte vielleicht in Zusammenhang mit meiner Oberschenkelsymptomatik stehen, ein Gedanke, der mich durch meinen Tag begleitet – ich habe hier noch nicht das gute Gleichgewicht gefunden, weder äußerlich noch innerlich. Aber das kann ja noch werden.

Die kurze Etappe erlaubt uns eine sehr ausgiebige Mittagspause, die wir am Strand verbingen. Während ich mich an der Brandung kaum sattsehen kann, lösche ich den Brand in meinen Füßen im Meer, eine sehr wohltuende Abkühlung. Schließlich kann ich es aber nicht lassen und springe einmal komplett ins Wasser. So lässt sich das Pilgern eigentlich ganz gut aushalten.

Nach 16 Kilometern kommen wir recht entspannt in Povoa de Varzim an, ich bin aber dankbar, dass es heute nicht mehr ist. So ganz bin ich noch nicht angekommen. Neben dem Körperlichen liegt es vielleicht ein wenig daran, dass auf dem Weg eher Strandbars als Kirchen liegen, mehr Beton als Grün, und wir noch nicht so viel Kontakt zu Menschen hatten, die genauso unterwegs sind wie wir. Wenn wir dafür bereit sind, wird der sicher kommen.
So wie heute ein Mann mit großem Rucksack an in unsere Richtung lief und statt mit einem Bom caminho zu grüßen, uns im Vorbeilaufen strahlend mit der Hand auf die Schulter tippte. Eine winzige Geste, die sehr in mir nachhallte.

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