Mein etwas unbequemes Outdoor-Kissen hat heute Nacht solide Dienste geleistet, ebenso wie Klappbett und Ultra-Lightwight-Schlafsack, der in den Keller-Räumlichkeiten auf seine Komfort-Temperatur getestet wurde. Nach einem gemütlichen Outdoor-Frühstück starten wir in den Tag. Die Aufgabe für heute scheint machbar zu sein, ca. zwölf Kilometer nach Ziegenhain, ein Cappuccino in der Stadt, dann nochmal sieben bis Treysa.

Ich habe meine Füße gestern noch gewissenhaft mit Blasenpflaster versorgt, spüre heute jedoch, dass sie hart an der Belastungsgrenze laufen. Der Weg startet aber dennoch wieder sehr schön über Felder und in den Wald, den wir trotz der Insektenschwärme sehr genießen. Die Dörfer sind heute so klein, dass sie keine Kirche zum Rasten haben, dafür finden wir den ein oder anderen Unterstand, der Schatten spendet. Der ist auch dringend nötig, denn es wird zunehmend heißer und schwüler. Dafür gibt es nach den Tagen mit Kirschen und Himbeeren erstmals leckere Brombeeren am Wegesrand.

In Ziegenhain statten wir der Stadtkirche einen Besuch ab, in der gerade eine Vernissage zu Ende geht. Eine Künstlerin stellt sehr schöne Bilder von Pflanzen aus, die in der Bibel Erwähnung finden. In den Gottesdienst haben wir es nicht geschafft, den angebotenen Sekt schlagen wir aber nicht aus – und im Anschluss gibt es natürlich auch noch den Kaffee, den ich mir den ganzen Morgen schon fest eingeplant hatte. Das urbane Pilgern ist zwar landschaftlich nicht ganz so reizvoll, dafür ist die Café-Versorgung wesentlich besser, das muss genutzt werden.

Der letzte Abschnitt nach Treysa hat es nochmal in sich, die Hitze drückt und der Asphalt brät von unten. Unsere Regen-Sonnen-Schirme geben ihr Bestes, doch wir kommen ziemlich erschöpft in Hephata an, wo wir ein Zimmer im Elisabeth-Haus gebucht haben. Ich bin sehr froh und dankbar, hier zu sein. Meine Füße werden erstmal kalt geduscht und ich habe den Impuls, auf die Blasenpflaster jeweils noch ein zweites draufzukleben, aber ich befürchte, das wird mir morgen nicht helfen.

Den Rest des Tages verbringen wir mit den Pilgerroutinen – Duschen, Wäschewaschen, Ausruhen. Unser Zimmer liegt in einem älteren Gebäude und ist sehr einfach eingerichtet. Im Gegensatz zu anderen Unterkünften fühle ich mich hier aber pudelwohl. Eine Pilgererkenntnis: Wohlfühlen m hängt definitiv nicht vom Luxus ab – aber sicherlich vom Sauberkeitslevel.
Zum Abendessen müssen wir nochmal in die Stadt laufen, wobei ich mehr schlecht als recht den Berg hinunter schlurfe. In der großartigen Akustik der Stadtkirche singen wir uns ein wenig quer durch das Gesangbuch und finden anschließend eine sehr leckere Pizzeria. Als wir gerade wieder aufbrechen wollen, müssen wir feststellen, dass wir auf dem Weg schon vieles, aber noch nicht alles gelernt haben. Zum Beispiel die Regenvorhersage in aktives Handeln umzusetzen. Ohne Schirm oder Regenjacke lassen wir uns schließlich von einem Taxi durch das Gewitter zurück fahren. Für meine Füße: ein kleines Regenglück.
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