Die Nacht im fensterlosen Zimmer in Madrid habe ich ganz gut überstanden, bin aber noch ziemlich müde, als wir uns zum Frühstück aufmachen – ein Café auf dem Weg zur Metro, bei dem es eine spanische Spezialität gibt, die wir schon auf dem Camino entdeckt haben: getoastetes Brot mit Tomaten. Super simple, aber sehr lecker und eine rare vegane herzhafte Option. Aber ohne Croissant geht es trotzdem nicht, die Croissant-Verkostung muss bis zum Ende der Reise fortgeführt werden. In Madrid sind sie wieder fluffiger, in Portugal hatten wir es meist mit sehr kompakten Exemplaren zu tun (anders, aber auch lecker).

Am Bahnhof Atocha geht es dann wieder durch die Sicherheitskontrolle, zum Gleis und in den AVE, die spanische ICE-Adaption. Die Fahrt nach Barcelona ist extrem entspannt, die drei Stunden vergehen wie im Flug und so fühlt es sich auch wieder ein bisschen an. Ich bin nach wie vor fasziniert von der Reisegeschwindigkeit um die 300 km/h, wie die karge Landschaft an uns vorbei rauscht (bzw. wir an ihr). Vom etwas erhöhten Gleisbett aus sehen die Bäume winzig klein aus und man fühlt sich tatsächlich ein bisschen wie im Flieger, nur das man hier den Kaffee an der Theke der Bar trinken kann. Wie genial wäre es, bei dieser Geschwindigkeit von Frankfurt nach Lissabon aus dem Fenster schauen zu können.

Die Fahrt ist sicher auch deshalb so entspannt, weil wir in Barcelona keinen Anschlusszug mehr haben, sondern direkt unser Zimmer beziehen können. Nach der ersten Airbnb-Nacht in dieser Stadt auf der Hinreise hatte Christiane darauf bestanden, die Buchung abzusagen und uns ein schönes Zimmer mit eigenem Bad gebucht. Ich bin sehr dankbar dafür, zumal es genauso viel kostet.

I like the ladies…

Am Nachmittag starten wir einen größeren Spaziergang zu den Hauptattraktionen der Stadt, zumindest zu einer Auswahl, die an einem Tag fußläufig zu erreichen ist. Es ist ein bisschen traurig, dass die meisten Kirchen in den Touristenhotspots nur noch mit Tickets zu betreten sind – insbesondere die Sagrada Familia erscheint diesbezüglich ein irgendwie absurdes Bauwerk, auch wenn die Architektur ausgefallen ist und beeindruckt. Die vielen Menschen in den Prachtstraßen und kleinen Gässchen ermüden mit der Zeit etwas. Ich bin wahrscheinlich einer der Touris, die gerne reist, aber gar kein Touristin sein möchte – aus der Nummer komme ich mit Rucksack, Kamera und blonden Haaren in Süd-Europa aber definitiv nicht raus.

Barcelona ist eine sehr lebendige Stadt, in der es auch am frühen Morgen nicht wirklich leise ist. Auffallend ist, dass der Reichtum des Tourismus auch viel Armut anzieht, Leute, die um Geld betteln, Geflüchtete, die große Tücher mit Verkaufsgütern durch die Metro tragen, um sie in an einer Haltestelle auszubreiten, bis die nächste Polizeistreife kommt. Oder auch Künstler*innen aller Art, vom Besenstiel-auf-der-Hand-Balancierer bis zum Musiker, der von Bar zu Bar zieht und immer wieder das gleiche Lied auf der Gitarre singt. Die Diversität zieht sich durch alle Schichten, die hier die Straße bevölkern.

Ich bin sehr dankbar, dass wir uns den Tag in Barcelona genommen haben und auf die Entdeckungstour gegangen sind, bevor es morgen zu einem letzten Stop nach Marseille geht.