StartZielkm
FãoViano do Castelo30
4. Etappe

Der Tag fängt mit etwas Unwetter an – es stürmt und regnet stark, aber bis wir gefrühstückt haben, hat sich alles etwas beruhigt. Dennoch kommt die Regenjacke heute dankbar zum Einsatz, zumindest für ein paar (weitgehend trockene) Stunden.

Nachmittags geht es auf einen wunderschönen Pfad durch ein tollen Wald, der wieder stark nach Eukalyptus duftet. Auch wenn der schönste Teil nicht besonders lang ist, bietet der Wald eine tolle Abwechslung zu den Holzstegen und Straßen der Dörfer, die meinen Füßen auch sichtlich gut tun. Hinzu kommen den Tag über Begegnungen mit diversen Pilger*innen, die uns immer wieder auf andere nette Gedanken bringen.

Der Weg führt heute nicht mehr direkt am Wasser entlang, sondern auf langen Kopfsteinpflasterstraßen durch verschiedene Dörfer. Die Mittagspause fällt aufgrund der langen Etappe heute eher kurz aus, neben einer Kirche genießen wir Käse Brötchen und den Soja-Joghurt-Fang aus einem Supermarkt. Inzwischen habem sich die Regenwolken auch komplett verzogen und die Sonne scheint bei immer noch relativ starkem Wind.

Mitten im Wald tut sich plötzlich ein Verschlag auf, in dem ein Einheimischer eine Pilger-Versorgungsstation errichtet hat. Es gibt kalte Getränke, Obst und Kekse, in Frischhaltefolie gewickelte Pizzastücke und nebenbei auch allerlei Krimskrams, dem man als Pilger*in definitiv nicht braucht (Ohrringe, Handtaschen).

Wir machen mit einigen anderen Rast, als plötzlich ein koreaniscbes Pärchen auftaucht, die den Camino als Honeymoon gehen. Ob sie bereits verheiratet sind oder das Ereignis erst noch bevor steht, lässt sich aus dem Gespräch nicht ganz rekonstruieren. Auf jeden Fall haben sie einen eigenen Stempel dabei, auf dem sie als Comic Figuren abgebildet sind. Damit werden sie in der Runde augenblicklich zu einer Hauptattraktion und auch wir lassen unseren Pass von den beiden Koreanern stempeln.

Der Weg verläuft heute ein wenig auf und ab, was grundsätzlich gut tut. Der Tag hat ebenfalls seine Aufs und Abs – bis ca. Kilometer 23 habe ich mich mit dem Zustand meiner Füße abgefunden, gefühlt trage ich ein wenig Sand im Schuh, aber es läuft und das auch einigermaßen beschwingt. Auf den letzten Kilometern muss mir Christiane dann aber gut zureden.

Für den Endspurt schickt mir der Himmel eine Amerikanerin – so wie wir ihr wahrscheinlich geschickt werden – um den Fokus von den glühenden Füßen nochmal auf die Welt zu lenken. Schließlich kommen wir nach 30 Kilometern über eine lange Brücke in Viano do Castelo an, ein paar Tränen der Erschöpfung kann ich mir nicht verkneifen (und möchte ich auch nicht). Die nachsten zwei Tage haben es nochmal ähnlich in sich, ich mache mir ein bisschen Sorgen um das, was da in meinen Schuhen steckt. Mal schauen, was die Nacht meinen Füßen so bringt.