Endlich geht es los nach Österreich. Nachdem wir diese Tour bereits für den Sommer 2020 geplant hatten, sitzen wir nun vier Jahre später endlich im Zug nach Innsbruck, um auf den Romediusweg aufzubrechen. Es soll ein Geheimtipp unter den Pilgerwegen sein, aber auch eine Art Alpenüberquerung abseits des bekannten E5, die durch Tirol und Südtirol bis ins Trentino führt.
Die Deutsche Bahn kündigte uns schon vor zwei Wochen die Zugbindung, da die Verbindung ausfallen würde. Wir kommen aber dennoch pünktlich um kurz nach 15 Uhr bei strahlendem Sonnenschein in Innsbruck an. Unser Startpunkt liegt etwas vor Innsbruck in Thaur, wo der Heilige Romedius der Legende nach neben einem kleinen Kirchl in einer Einsiedelei lebte. Die Quellen sind sich allerdings uneinig, zu welchen Zeitpunkt er das zwischen dem 3. und 11. Jahrhundert tat.

Man ist sich nur einig, dass er von Thaur nach Rom pilgerte, seinem Besitz entsagte und sich schließlich in San Romeno im Trentino niederließ – dem Ziel unserer Pilgerreise.

Nach einem sehr deliziösen Eis (Sorte EM) laufen wir durch die Altstadt in Richtung Thaur. Wir haben uns entschlossen, den Abschnitt des Weges schon am Anreisetag zu laufen, um die Strecke am nächsten Tag mit dem Bus kürzen zu können. Der Pilgereinstieg fällt ein bisschen schwer, aber wir erreichen Thaur trocken. Der Besuch des kleinen Romedius-Kirchl ist leider vebunden mit einem heftigem Regenschauer und endet zudem vor verschlossener Tür.

Dafür sorgt sich unser Gastwirt sehr rührend um uns und organisiert uns zwei Romedius-Pilgerplaketten, die er uns heute zum Frühstück überreicht. Er habe mit Herrn Staud telefoniert, dem Begründer des Pilgerwegs, es gebe zwei Schneefelder, die wir nicht ohne Spikes überqueren sollten.
Ich würde wirklich sagen, dass ich diesmal gut gepackt habe. Ich habe die wichtigen Fragestellungen (heißes Wetter, kaltes Wetter, möglichst wenig Gewicht) besonnen abgewogen und klare Entscheidungen getroffen. Schneefelder Ende Juni haben wir aber beide nicht berücksichtigt. Wie wir jetzt an Spikes kommen sollen, bleibt zunächst offen, wir laufen erstmal los.

Startpunkt für heute ist der Bergisel, unübersehbar mit seiner olympischen Skisprungschanze. Hier startet eigentlich das erste Highlight des Weges, die Wanderung durch die Sillschlucht. Wegen Erdrutschen müssen wir aber ausweichen und biegen nach der Aussicht am Drachenfels auf den Quo Vadis Pilgerweg, der uns bis nach Mieders führen soll.

Noch bevor wir den Bergisel umrundet haben, ist die Pilgerlaune im erhofften Bereich, die Füße und Beine fühlen sich gut an, die Sonne scheint. Wir sind gemeinsam unterwegs, und das ist ein großes Geschenk.
Der Alternativweg führt uns zunächst durch Wald und dann auch lange Zeit auf einer Straße durch die Dörfer. Asphalt ist nicht mein Lieblingsuntergrund, aber es geht voran – und bergauf. Wir werden kurioserweise von Schienen begleitet, denn das Stubaital, an dessen Eingang unser Zielort liegt, ist per Straßenbahn an den Hauptbahnhof Innsbruck angeschlossen. Und so zieht immer mal wieder eine Straßenbahn durch den Wald und über die Wiesen. Manche Höfe sind nicht über geteerte Straßen erreichbar, aber nur 30 Meter von einer verlassenen Haltestelle entfernt.


Nach 17 Kilometern kommen wir schließlich in Mieders an. Unsere Wirtin hatte das von uns reservierte Zimmer zwar gerade an andere Wanderer vermietet, wir kommen aber trotzdem noch im Haus unter und ich freue mich auf die heiße Dusche und Kässpätzle.

Der erste Pilgertag liegt mir schwer in den Beinen, auch wenn es sich „nur“ um die Einstiegsetappe gehandelt hat, die eigentlich gar nicht so schwer sein sollte. Der Tag war aber wunderschön und bin angekommen – in Mieders und auf der Alpendurchwanderung, die ich so gerne einmal machen wollte.
Jan
Ich wünsche euch einen guten Weg! Ich folge euch mit dem Finger auf der Landkarte.😋
mStern
Nicht zu fest mit dem Finger klopfen, sonst gibts Erdbeben 😛
Wünsch Euch ebenfalls ne erfrischende Reise mit tollen Gedanken.
Schrati
Danke!! 😊
Schrati
Oh wie schön, das freut mich!! 😊