Wo befinden wir uns hier?

Wo gibt es noch so schöne Backsteine und mit abgegriffenem Teppich überzogenes Geländer, an dem sich allabendlich fein gekleidete Herr- und Damenschaften stützen?

Und dann die schönen nahezu frei schwebenden Beton-Treppen empor steigen?

Natürlich in Mannheim, (Achdung: Kenntnis der Monnemer Muddersproch voraus gsedzt) im Nationaltheater.

Vorletztes Wochenende habe ich hier mit Froggy die 199. Vorstellung (Premiere war vor 42 Jahren!) von Madama Butterfly gesehen und da fiel es mir mal wieder auf: Ich habe von Architektur ja keine Ahnung, aber in Mannheim habe ich immer das Gefühl, irgendwie in einer anderen Zeit gelandet zu sein. Und das hatte ich schon damals, als ich als kleiner Zwerg durch den Luisenpark gestiefelt bin, den man ja heute auch nicht mehr mit so viel Beton verzieren würde. Oder im hellblauen Kleidchen (ja!!) am Wasserturm spielte. Die Beton-Treppen im Theater mit dem Teppichumschlungenen Geländer komplementieren dieses Mannheim-Bild, auch wenn zwischen dem Kindergarten-Sommerausflug in den Luisenpark und der Backsteinfaszination gut 20 Jahre liegen. Diese imaginäre Beton-Welt, durch die eine klappernde, rot-weiß getreifte OEG fährt, wird sich wohl auch noch eine ganze Zeit halten…

Aber die Vorstellung war schön! Wenn man sich mal dran gewöhnt hat, dass bei japanischer Kulisse Italienisch gesungen wird und der Beginn der Handlung – Lieutenant der U.S. Navy kauft in Japan stationiert Haus mit Ehefrau (quasi ein „house with benefits“) und heiratet dann aber daheim die anna – auch gut in eine Folge „J.A.G. – Im Auftrag der Ehre“ gepasst hätte… aber es wurde dann ja recht schnell dramatisch, von daher waren die Verhältnisse (Frau stirbt) bald klar.