Nach einem leckeren Frühstück verabschieden wir uns aus Hephata und gehen weiter Richtung Westen. Meine Füße haben sich auf die neu geklebten Blasenpflaster eingelassen und sind ganz gut gelaunt. Vielleicht hilft aber auch das kühle, bedeckte Wetter, kein Vergleich zu gestern.

Wir kommen bis zur Mittagspause gut voran und wollen in Speckswinkel eine Rast einlegen. Als wir uns gerade setzen, fängt es an zu regnen – und der Regen entwickelt sich schnell zu einem heftigen Unwetter. Wir flüchten in die Kirche, die wir gerade vorher besichtigt haben, und lassen uns auf eine anderthalbstündige Pause auf den Kirchenbänken ein – in diesem Moment der perfekte Ort für Mittagessen, ein kleines Nickerchen, ein bisschen singen, während es draußen laut donnert und schüttet. Wir sind unfassbar dankbar, genau im richtigen Moment das richtige Dach über dem Kopf zu haben.

Durch das Unwetter bleiben wir zwar länger als geplant, aber noch am Morgen hatten wir eine sehr wahre Botschaft gelesen:
Als Pilger muss man alle sich bietenden Gelegenheiten nutzen, sich zu regenerieren, da nicht wir den Weg bestimmen, sondern der Weg uns. Wir haben uns ihm unterzuordnen, was er bietet zu akzeptieren und was ihm vielleicht zu unserer Bequemlichkeit fehlt, nicht zu beklagen.
So ziehen wir recht gut erholt weiter und erreichen am Nachmittag Stadtallendorf. Wir haben hier ein Airbnb gebucht und sind etwas schockiert, als wir sehen, wo es sich befindet – weit außerhalb der Stadt. Wir rekonstruieren, dass die Zimmersuche hier ziemlich schwierig gewesen sein muss. Wir sind mental nicht auf die drei zusätzlichen Kilometer eingestellt und ich komme aus der Fassungslosigkeit nicht raus, dass wir hier draußen eine Unterkunft gebucht haben.

Wir schaffen es aber schließlich in die sehr geräumige Ferienwohnung, in der ein Elektronik-Fan sich ausgetobt haben muss. Neben allerhand Lichtspielereien finden wir eine beheizbare Klobrille mit Massagefunktion, je zwei Fernseher und Waschmaschinen sowie eine Dusche mit allerhand Düsen, in der ich versehentlich das LED-Display berühre, woraufhin bunte Lichter zu flackern beginnen und die Dusche mit einem Alarmton piept. Vielleicht sind beheizbare Klobrillen wirklich ein bisschen zu viel der Bequemlichkeit. Darüber klage ich nicht, aber die einfachen Unterkünfte haben dann doch den besseren Pilger-Charme.

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