In der Technik-Wohnung habe ich nicht so gut geschlafen, was aber wohl weniger am Elektrosmog lag, als an meinen sehr müden Beinen. Die haben heute aber Glück, denn auf dem Plan stehen nur zwölf Kilometer – inklusive des Weges zurück in die Stadt. Wir haben die Route für heute etwas angepasst, da wir noch eine KZ Gedenkstätte in Stadtallendorf besuchen möchten. So geht es heute nicht auf den Elisabethpfad, dafür aber auf direktem Wege nach Amöneburg.

Erster Stopp nach fünf Kilometern ist also die Gedenkstätte Münchmühle, eine Außenstelle des KZ Buchenwald, in der Zwangsarbeiterinnen lebten, die in den Allendorfer Sprengstoffproduktionsstätten – die größten in Europa – arbeiten mussten. Es ist immer wieder bedrückend zu sehen und zu spüren, dass der Krieg und die Gewalt nie weit weg waren, so wie man die Geschichtsbücher manchmal lesen kann oder möchte, sondern eigentlich immer auch in der unmittelbaren Nachbarschaft stattgefunden haben. Trotzdem scheint gerade heute so viel davon in Vergessenheit zu geraten.

Blick auf Amöneburg

Nach einem längeren Abschnitt durch einen schönen Wald stehen wir dann auch schon vor dem Basalthügel, auf dem Amöneburg gebaut ist – Zeit für eine gemütliche Mittagspause. Im Anschluss laufen wir an der Brücker Mühle vorbei, in der wir vor drei Jahren unsere Trauung gefeiert haben. Ein Ort mit vielen wunderbaren Erinnerungen an diesen sehr besonderen Tag, an dem sich so viele mit uns gefreut haben.

Die Brücker Mühle an der Ohm

Der Aufstieg nach Amöneburg ist schließlich knackig, aber kurz. So kommen wir schon gegen Mittag im gebuchten Apartment an und entspannen erstmal bei einer Yoga Session. Danach verbringen wir einen fast ganz gewöhnlichen Urlaubs Nachmittag, außer, dass wir eigentlich nur einen Katzensprung von Zuhause entfernt sind.

Von hier oben können wir auch schon die Lahnberge sehen, hinter denen Marburg mit unserem Ziel, der Elisabethkirche liegt. Morgen wird es damit erstmal auf die letzte Etappe dieses Weges gehen.

Bei einem Rundgang durch den idyllischen Ort holen wir uns noch einen Pilgerstempel in der Kirche. Ich nehme mir nochmal das Gesangbuch, schlage Wer nur den lieben Gott lässt walten auf und singe meine zwei Lieblingsstrophen – ganz im Sinne der Cantorianer aus dem Film Vaya con Dios, die sich Gott am nächsten im Gesang fühlen. Diese Moment in der Stille und im Klang, im Hall der hohen Räume, werde ich ganz sicher vermissen, wenn unser Weg entlang der Dorfkirchen vorbei ist.

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