Die Liebe ist der Herzschlag des gesamten Universums

Zugausfall – Interrail #2

Nach einem entspannten lauen Abend in Bordeaux brechen wir am nächsten Morgen bei einigermaßen erträglichen Temperaturen Richtung Bahnhof auf. Die Sonne scheint und der Kaffee auf dem Place de la Victoire wirkt wahre Wunder. In einer Bäckerei nehmen wir uns noch ein Schokobrötchen in Form einer langen Baguette-Stange für das zweite Frühstück mit und auch mit Mittagessen sind wir nach einem kurzen Stop im Supermarkt versorgt.

Vor der Oper in Bordeaux

Wir erreichen entspannt den Bahnhof und lesen ein unbekanntes französisches Wort auf der Anzeigetafel neben unserem Zug. Ein kurzer Moment mit dem Google Übersetzer liegt zwischen Entspannung und Aufregung – unser Zug nach Narbonne fällt aus. Unser Tagesziel Madrid rückt da erstmal in unerreichbare Ferne. Zum Glück hatten wir für die Hauptstadt zwei Tage eingeplant.

Während wir in der endlosen Schlange vor dem SNCF-Service-Zentrum stehen, wird schließlich doch noch ein Zug über Narbonne angekündigt, der kurze Zeit später auch abfährt. Die Schaffner machen uns noch Hoffnung auf den Anschlusszug Richtung Barcelona, den wir letztlich aber um 20 Minuten verpassen. Die nächste Verbindung fährt erst am Abend, mit Madrid wird es heute daher nichts mehr.

Wir sind also für de Nachmittag in Narbonne gestrandet. Die Hitze lässt sich einigermaßen aushalten und wir schmieden bei einem Kaltgetränk neue Pläne. Eine Unterkunft in Barcelona finden wir schnell bei unserem Host, den wir für die Rückfahrt gebucht haben. Und da wir schon mal am Meer sind, beschließen wir mit dem Bus kurz zum Strand zu fahren, einmal Planschen und wieder zurück.

Als wir am Abend in den TGV nach Spanien steigen, fühle ich mich wie in Mitten einer langen Reise, obwohl wir gerade mal 36 Stunden unterwegs sind. In Barcelona beziehen wir ein Zimmer in einem innenstadnahen Hostel, es verfügt über eine Klimaanlage, aber ansonsten über überschaubaren Komfort.

Mit der Müdigkeit, zu der die Hitze sicher einen Großteil beiträgt, kommen Fragen – sind wir nicht vielleicht ein bisschen zu alt für das Hostel-Feeling, wo sich alle ihr eigenes Klopapier mit in das winzige Bad nehmen?

Ich denke an die vielen verrückten Unterkünfte, in denen ich bei Jugendtreffen und Chorprojekten übernachtet habe. Deutsche und italienische Klassenzimmer, ein Schlafsaal in einer Kaserne in Lissabon, ein Luftschutzbunker in Genf, bewohnte und unbewohnten Studentenwohnheime in Kroatien und Ungarn. Manche waren große Abenteuer, andere nicht ganz so lecker. Aber alle haben auf eine Art den Horizont erweitert und dankbare Erinnerungen hinterlassen. Ich bin mir sicher, es wird diesmal nicht anders sein.

Barcelona at night

Wir sind neugierig, was uns dieser Tag mit seinen über den Haufen geworfen Plänen mitgeben will, so ganz weiß man das ja immer erst im Nachhinein. Auf jeden Fall geht es auch weiter, wenn man gerade keinen Plan B in der Tasche hat – nur vielleicht auf einem anderen Weg.

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1 Comment

  1. Jan

    Kennste dieses Zugfahrt-Logbuch? https://travelynx.de/p/lexi

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